Fanrechte schützen! Gemeinsame Presseerklärung
Während Millionen Menschen die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 verfolgen, arbeitet die Innenministerkonferenz (IMK) parallel in Hamburg seit Mittwoch an weiteren Verschärfungen gegenüber der vielfältigen deutschen Fanszene. Sachsens Innenminister Schuster forderte gestern (18.06) vehement personalisierte Tickets für alle Ligen . Ein erneutes Zeichen, dass die Innenpolitik statt auf Dialog zunehmend auf Repression, Überwachung und sicherheitspolitische Eskalation setzt, obwohl die offiziellen Zahlen eine andere Sprache sprechen.
Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat sich die Fraktion Die Linke in den vergangenen Monaten intensiv mit den geplanten Maßnahmen auseinandergesetzt, ausgelöst durch die anhaltende Missachtung der Anliegen und Erfahrungen von Fans durch Verbände, politische Entscheidungsträger und Sicherheitsbehörden. In einer fachbereichsübergreifenden Arbeitsgruppe aus den Bereichen Inneres, Sport, Digitales und Jugendpolitik sind sowohl ein parlamentarischer Antrag als auch ein Zehn-Punkte-Positionspapier entstanden. Beide Dokumente zeigen konkrete Wege auf, um den Plänen der IMK entgegenzutreten.
Sowohl Antrag als auch Positionspapier entstanden im engen, vertrauensvollen Austausch mit Fanverbänden und fanpolitischen Akteuren, deren Expertise und Perspektiven zentral in den Prozess eingeflossen sind. Unsere politische Arbeit als Bundestagsfraktion stellt einen Paradigmenwechsel dar, weil sie Fankultur erstmals in der Bundespolitik nicht primär als Problem darstellt, sondern als sozialen Akteur, der innerhalb des Fußballs, aber auch über den Fußball hinaus eine positive Wirkung hat. Wir sehen Fankurven vor allem als soziale Orte.
Die beteiligten Abgeordneten Jan Köstering, Jorrit Bosch, Clara Bünger und Donata Vogtschmidt äußern sich wie folgt:
Jan Köstering: "Fast jeder Fünfte ist nicht aufgrund einer Straftat in der Datei Gewalttäter Sport gelandet, sondern weil er von rein präventiven Polizeimaßnahmen betroffen war. Wer in Deutschland Fußball schaut, kann also in einer Polizeidatei landen, ohne überhaupt etwas Strafbares getan zu haben.“
Jorrit Bosch: „17 Prozent weniger Verletzte, 22 Prozent weniger Strafverfahren, 11 Prozent weniger Polizeiarbeitsstunden: Trotz deutlichem Rückgang der Gewalt in den Stadien halten die Innenminister weitere Verschärfungen für gerechtfertigt.“
Clara Bünger: „Präventive Stadionverbote für ganze Fankurven sind nichts anderes als Kollektivstrafen, die in einem Rechtsstaat einfach nichts verloren haben. Wer samstags in ein Stadion geht, ist kein Verbrecher. Niemand sollte gescannt, gespeichert und verfolgt werden, nur weil er oder sie den eigenen Verein anfeuert.“
Donata Vogtschmidt:„Die Innenminister:innen machen den Fußball zum Testlabor für Überwachung. An den Fans werden im Stadion neue Technologien erprobt: Gesichtserkennung, KI-gestützte Verhaltensüberwachung und personalisierte Tickets. Menschen werden dabei zu Versuchsobjekten staatlicher Kontrolle. Wir lehnen diese ausufernden Überwachungspläne im Stadion und im öffentlichen Raum entschieden ab.“
