Pressemitteilung: Wohnen in Thüringen wird deutlich teurer – Die Linke hält dagegen
Das Wohnen in Thüringen wird immer teurer. Durchschnittlich mussten Mieterinnen und Mieter in Thüringen für die Neuanmietung einer Wohnung im Jahr 2024 35 Prozent mehr Miete zahlen als noch im Jahr 2014. Die Zahlen gehen aus einer Kleinen Anfrage der Thüringer Bundestagsabgeordneten Donata Vogtschmidt, Mandy Eißing und Bodo Ramelow hervor.
Die prozentual höchsten Steigerungen der Neuvermietungsmieten gab es im Eichsfeld (47 Prozent), sowie in den Landkreisen Hildburghausen und Weimarer Land (jeweils 45 Prozent). Mieterinnen und Mieter mussten im Jahr 2024 demnach jeweils ca. 50 Prozent mehr für eine neue Wohnung zahlen als noch 2014. Die höchsten absoluten Mieten werden im Freistaat in Jena (11,15 Euro/m2), Weimar (9,39 Euro/m2) und Erfurt (8,90 Euro/m2) aufgerufen. Auch in diesen drei Städten fanden innerhalb der letzten Jahre enorme Erhöhungen der Mieten statt. Detaillierte Zahlen sind Tabelle 1 zu entnehmen.
Die Menschen in Thüringen müssen zudem einen immer höheren Anteil ihres Einkommens für die Miete ausgeben. Die Mietbelastungsquote stieg von 2018 auf 2022 von 23,1 auf 24,3. Aufgrund der lokal unterschiedlich hohen Mietpreise erreicht die Mietbelastungsquote in Erfurt und Jena bei Ein-Personen-Haushalten mit jeweils knapp 31% eine kritische Schwelle, die besagt, dass nicht mehr als ein Drittel des verfügbaren Einkommens für die Miete ausgegeben werden soll.[1]
Hinsichtlich des Wohnungsleerstands ergibt sich im Freistaat ein heterogenes Bild: während in Jena, Weimar und Erfurt nahezu kein marktaktiver Leerstand vorhanden ist, stehen im Altenburger Land 15,1 Prozent der Wohnungen leer. Hohe Leerstandsquoten gibt es auch noch in Gera (11,5 Prozent) sowie dem Landkreis Greiz (11,8 Prozent) und dem Saale-Orla Kreis (11,7 Prozent).
Der Bestand an Liegenschaften der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) ist seit 2007 von 1.922 auf 577 im Jahr 2024 gesunken. Dies entspricht einem Rückgang um ca. 70 Prozent. Aktuell plant die BImA den Verkauf von 118 weiteren Liegenschaften in Thüringen. Zudem gab die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage an, dass der Bund in Thüringen seit 2018 keine neuen Wohnungen geschaffen hat. (Fragen 11 – 14)
Der Grundstücksbestand des Bundeseisenbahnvermögens (BEV) sank seit 2006 um 97,5 Prozent. In dieser Zeit wurden 193 Wohnungen vom BEV veräußert, sodass im Jahr 2024 nur noch eine Wohnung in Thüringen im Eigentum des BEV war.
Die Ergebnisse der Kleinen Anfrage kommentieren die Thüringer Bundestagsabgeordneten der Linken folgendermaßen:
Mandy Eißing (Mitglied des Bundestags): „Mich schockieren insbesondere die Zahlen zum Mietenanstieg im ländlichen Raum. Daher bin ich zutiefst enttäuscht, dass die Bundesregierung unseren Antrag zur Einführung eines bundesweiten Mietendeckels abgelehnt hat. Wenn in vielen Landkreisen in Thüringen die Mieten bei Neuvermietung innerhalb von 10 Jahren um mehr als 40 Prozent erhöht werden, ist für viele Menschen eine Belastungsgrenze erreicht. Die Löhne halten nicht Schritt und Wohnen wird – auch aufgrund der gestiegenen Energiepreise – für immer mehr Menschen auch im ländlichen Raum zum Armutsrisiko. Es braucht endlich entschlossenes Handeln, anstatt nur weiterer politischer Lippenbekenntnisse. Für uns ist klar: Wohnen und Energie müssen bezahlbar sein.“
Donata Vogtschmidt (Mitglied des Bundestags): „Die Mietenkrise hat längst auch Thüringen erreicht. Dramatisch gestiegene Mieten in allen Landkreisen Thüringens sind ein eindeutiges Indiz dafür, dass in der Mietenpolitik des Bundes grundlegend etwas schiefläuft. Gerade für junge Menschen wird das Wohnen zu einer immer größeren Belastung. Auch im Sinne der Generationengerechtigkeit muss das Thema Wohnen von der Politik endlich entschlossen angegangen werden. Jedoch befindet sich die Bundesregierung weiter im Dornröschenschlaf. Daher nehmen wir es nun selbst in die Hand und starten als Linke eine Mietenkampagne. Unser Ziel ist es, Mieterinnen und Mieter zu organisieren und gemeinsam mit ihnen für bezahlbares Wohnen zu kämpfen. Als Linke Thüringen werden wir die Kampagne mit vielfältigen Aktionen umsetzen. Wir streiten an der Seite der Menschen für ein besseres Leben.“
Anja Müller (Mitglied des Landtags, Sprecherin für Wohnungspolitik der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag): “Die Ergebnisse der Anfrage auf Bundesebene decken sich mit unserer Beobachtung, dass bezahlbares Wohnen für immer mehr Menschen in Thüringen ein Problem wird. Wir sehen keine Bemühungen der Brombeerregierung, daran etwas zu ändern. Um diese Leerstelle zu füllen, werden wir Dezember im Landtag mit einem Gesetzentwurf zum sozialen Wohnen in Thüringen einbringen. Die Landeswohnungsgesellschaft und weitere Fördermöglichkeiten des sozialen Wohnens stehen im Zentrum des Antrags.”
[1] Die Zahlen zur Mietbelastungsquote für Erfurt und Jena entstammen einer Studie aus dem Jahr 2024 und sind nicht Teil der Antwort der Bundesregierung: https://www.immowelt.de/ueberuns/presse/pressemitteilungenkontakt/2024/bis-zu-40-prozent-des-gehalts-fuer-die-miete-so-hoch-sind-die-wohnkosten-fuer-singles-in-deutschen-staedten/
